Vielleicht machst du gerade deinen Chef für deinen Stress verantwortlich. Oder das Schulsystem, das die ganze Familie auf Trab hält. Vielleicht versuchst du, Karriere, Familie, Freundschaften, Bewegung, gesunde Ernährung und dein eigenes Wohlbefinden unter einen Hut zu bekommen – und fragst dich zwischendurch ganz leise: War das schon alles? Warum bin ich eigentlich nicht zufriedener, obwohl doch vieles in meinem Leben gut ist?
Vielleicht spürst du auch einfach, dass du dich selbst zwischen all den Anforderungen des Alltags ein wenig verloren hast.
Und fragst dich: Wie finde ich zurück in meine Mitte? Wie kann ich gelassener mit den Herausforderungen meines Lebens umgehen?
So viel zieht uns nach aussen
Wir leben in einer Zeit, in der es erstaunlich leicht geworden ist, die Verbindung zu uns selbst zu verlieren.
Social Media lädt uns dazu ein, unser Leben mit dem Leben anderer zu vergleichen. Werbeanzeigen erzählen uns, was wir noch brauchen, um schöner, gesünder, erfolgreicher oder glücklicher zu sein. In Teamsitzungen warten die nächsten Aufgaben, während im Hinterkopf bereits die Einkaufsliste für den Abend läuft. Nachrichten, Mails und Benachrichtigungen unterbrechen unsere Aufmerksamkeit, oft ohne dass wir überhaupt bemerken, wie häufig wir aus einem Gedanken herausgerissen werden.
Und für viele Frauen kommen noch weitere Ebenen dazu.
Da sind die offensichtlichen Anforderungen des Alltags. Und da sind die leiseren, weniger sichtbaren Belastungen: die Veränderungen des eigenen Körpers während des Zyklus, Schwangerschaft oder Menopause, der Umgang mit subtiler Diskriminierung, unausgesprochene Erwartungen von Eltern oder Partnern und die Erwartungen, die wir selbst an uns stellen.
Vielleicht wollen wir eine gute Mutter sein, oder eine liebevolle Partnerin, beruflich etwas bewegen, für andere da sein und gleichzeitig noch gut für uns selbst sorgen.
Das ist viel.
Kein Wunder, wenn die eigene Mitte manchmal aus dem Blick gerät.
Vielleicht hilft da eine neue Perspektive:
Du hast deine Mitte nicht verloren.
Du hast nur den Kontakt zu ihr verloren. Und genau darum geht es beim Weg nach innen.
Der Weg nach innen
Der Weg zurück zu dir ist keine gerade Linie. Eher eine Spirale. Manchmal fühlst du dich klar, verbunden und ruhig. Dann kommt eine schwierige Woche und du bemerkst, dass du wieder in alte Muster rutschst, dich mehr vergleichst oder nur noch funktionierst.
Das bedeutet nicht, dass du wieder am Anfang stehst. Mit jeder Rückkehr lernst du dich besser kennen.
Du erkennst früher, was dir guttut und was dich erschöpft.
Du beginnst zu unterscheiden zwischen dem, was wirklich deins ist, und dem, was du übernommen hast. Zwischen einem Wunsch und einem „Ich sollte“.
Der Weg nach innen bedeutet dabei nicht, ständig über dich nachzudenken. Manchmal bedeutet er, für einen Moment nichts zu lösen und nichts zu optimieren, sondern einfach da zu sein. Ohne Frage-und-Antwort-Spiel.
Vielleicht liegt genau darin die Qualität von innerer Mitte:
nicht darin, immer ruhig zu sein.
Sondern darin einen Ort in dir zu kennen, zu dem du immer zurückkehren kannst.
Fünf Atemzüge zurück zu dir
Du kannst diesen Weg jederzeit für einen kurzen Moment beginnen. Du brauchst dafür keine Yogamatte und keine halbe Stunde Zeit.
Setz dich bequem hin und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem.
Vielleicht spürst du die Bewegung deines Bauches oder deiner Brust, vielleicht den Atem an deiner Nase. Du musst nichts verändern. Bleib einfach für drei bis fünf Atemzüge bei dem, was du wahrnimmst.
Einatmen. Ausatmen. Wieder.
Für diese wenigen Atemzüge musst du nichts leisten.
Du darfst einfach da sein.
Sinke hinein. In deinen Atem. In deine Mitte.
Diese fünf Atemzüge werden deinen Chef nicht verändern und die Anforderungen deines Lebens nicht verschwinden lassen. Aber vielleicht verändern sie, wie du ihnen begegnest.
Du schaffst einen kleinen Abstand zwischen Reiz und Reaktion und erinnerst dich daran, dass du nicht jede Anforderung sofort erfüllen musst.
In dir liegt stilles Gold
Vielleicht ist deine innere Mitte gar kein Zustand, den du irgendwann erreichen musst.
Vielleicht ist sie eher wie stilles Gold: etwas, das bereits da ist, auch wenn dein Leben gerade unübersichtlich oder laut ist.
Yoga kann ein Weg dorthin sein. Coaching kann ein Weg sein. Ebenso Stille, bewusster Atem, Körperwahrnehmung oder ein ehrliches Gespräch. Es gibt nicht den einen richtigen Weg nach innen. Es gibt deinen.
In meiner Arbeit als Yogalehrerin und Coach begleite ich Frauen dabei, wieder bewusster mit sich selbst in Kontakt zu kommen, eigene Ressourcen wahrzunehmen und mehr innere Stabilität zu entwickeln. Nicht mit dem Versprechen, dass du danach nie wieder gestresst sein wirst, sondern mit dem Raum, dich selbst besser kennenzulernen.
Kommentare